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CD-Review:
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Ein Bekannter von mir verkauft Oldtimer, gebraucht (ja klar, Mann - daher der Name!) und aufgearbeitet. Neulich hat einer bei ihm einen Triumph TR3 gekauft, Baujahr irgendwann in den 50ern. Zwei Tage später steigt er in der Werkstatt meines Bekannten aus seinem Benz 300 und beschwert sich über den Triumph, von wegen schlechte Straßenlage, Federung, Lenkung, und überhaupt, das Ding führe ja gar nicht geradeaus, und erst die Lüftung - was der Scheiß den solle? Sagt mein Bekannter: "Pass ma' auf, Sägger, das ist ein Auto aus den 50ern. Aufgearbeitet überholt, aber eben mit der Technik aus den 50ern. Dein Benz ist von heute, also natürlich besser - aber das ist eben Retro, Vintage, und so weiter. Das wusstest Du doch!" Recht hat er - und weil wir heute leben (um mal zum Thema Musik zu kommen), freuen wir uns über die Möglichkeiten, die moderne Studiotechnik bietet, Sounds aufzumotzen und zu verbessern. Und nutzen das. Und in der Tat - Songs wie Sweet Little Thing, Ounce Left Of Pride und Sugar In The Raw mit netter Wah-wah Gitarreneinlage rocken irgendwo zwischen SKYNYRD, early phase, und CCR ganz gut, und auch das eingangsprogrammatische Ready To Go feuert auf allen sechs Zylindern, wenngleich es etwas lang geraten ist. Nicht zu vergessen der Soul-Hit Slow Fade, der mir allerdings, wenn ich Joe South hieße und den Titel Games People Play geschrieben hätte, irgendwie sehr bekannt vorkäme. Der Rest hoppelt mit mehr oder weniger demselben Rhythmus so vor sich hin, ohne weiter aufzufallen. Aber auch die genannten Songs sind nun nicht die Überhits und reichen etwa an die Songs der Jungs um Zach Williams bei weitem nicht ran. Das Problem ist nämlich folgendes mit dem analogen Zeugs: mittelmäßige Songs wie die der SweetKisser hier fallen auf. Hast du einen relativ verwaschenen Sound, dem irgendwie der nötige Drive fehlt, hilft all die Wärme nischt - was du mit einer scharfen Digi-Produktion zum Teil Wett machen kannst, fällt hier auf dich zurück. Und komme mir keiner mit 'ehrlich' - hilft mir nix, wenn mir die Platte ehrlich nicht gefällt, weil ihr die rockige Schärfe abgeht. Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 18.07.2010
Doch, "Revival Rock" kann, nein, muss man empfehlen. Nicht wegen dem Albumtitel, "Revival Rock" ist ein eher kontraproduktiver Name, sondern wegen der Musik. Und wegen dem Sound. Und wegen dem folgenden Bild, das ganz bestimmt nicht "sonstwo in den USA", sondern garantiert im tiefsten Süden aufgenommen wurde. Vermutlich im tiefsten Süden Bayerns, südlich von Bad Tölz, wo der schöne Fluss Isar noch wild und ursprünglich ist.
Einverstanden, Bad Tölz (17.635 Einwohner) liegt in diesem Fall im Staat Washington nahe Seattle und heißt Puyallup (18.870 Haushalte und ein paar mehr Bewohner und im gleichen County wie Tacoma, woher die beste Southern-Band der Neuzeit stammte: REBEL STORM), aber das ist erstmal völlig egal, denn SWEETKISS MOMMA ist keine Großstadtband, dieser Fünfer ist ein Fall für uns Naturburschen - aus dem Süden oder Osten, womöglich sogar aus dem Nordwesten. SWEETKISS MOMMA ist auch keine Coverband, wie so viele uns vorgesetzte (vorwiegend ältere) Bands aus der amerikanischen Provinz. SWEETKISS MOMMA sind fünf halbwegs junge Typen, die man vielleicht mit dem Attribut "wertkonservativ" bezeichnen kann, auf keinen Fall jedoch als tumbe Retro-Witzfiguren, die doof wie Brot Sweet Home Alabama intonieren, ignorierend, dass sie aus Washington kommen und mit Alabama in aller Regel so viel zu tun haben wie wir Südstaatler aus Bayern mit Mecklenburg-Vorpommern. Recht hat der Kollege da oben, der übrigens aus der Mitte Deutschlands kommt, mit seinem Einwand bezüglich des Sounds der CD. Analog ist das schon, aber man muss verdammt laut machen, damit es einen im Magen trifft. Andererseits sprechen wir von Rock & Roll, bitte wer hört den leise? Also Regler nach rechts, dann rührt die Kapelle auch ordentlich um. Warum "Revival Rock" unter dem Kopfhörer nicht funktioniert, ist noch unerforscht. Es wird wohl eine Frage des Aufnahmebudgets sein. Das Ding knallt wirklich nur richtig mit dem großen Boxen-Besteck auf Stadtteillautstärke. Aber dann mächtig. Ein kleiner Kritikpunkt ist allenfalls, dass in der zweiten Hälfte der CD das Tempo beständig abnimmt. Noch eine oder zwei flotte Nummern wie Ready To Go oder Sweet Little Thing (famose Gitarre!) würde man sich wünschen. Andererseits haben die meisten Songs genug Tiefgang, um mangelnde Geschwindigkeit mit Druck auszugleichen. Son Of The Mountain ist auch kein Speed-Rocker, avanciert aber dank des cleveren Arrangements zum eigentlichen Höhepunkt von "Revival Rock". Ergo: Unumwundene Empfehlung. Aber nur für Leute, die bedingungslos auf Rockmusik stehen, die zwar inklusive dem Sound vollkommen bar jeder modernistischen Einflüsse ist, trotzdem nicht nach A, B, C oder LYNYRD SKYNYRD klingt, sondern sich eher an anderen jungen Bands wie MEDUSA STONE misst. Hört mal Rocket Ride, das ist nicht nur funky und könnte vom guten alten Randy Bachman gesungen sein, es ist auch noch keiner anderen Band jemals eingefallen. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.08.2010
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